Saarbrücker Zeitung, Saarland-Ausgabe, am 12.6.2017, von Redaktionsleiter Landespolitik Oliver Schwambach

Ottweiler. Beim ersten „Faasend-Dinner“ am Samstag in Ottweiler dachten die saarländischen Karnevalisten auf charmante Art über sich selbst nach.

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Akteure und Diskussionsteilnehmer in Ottweiler  Foto: Robin Schmelzer

() Faasenachd – mitten im Juni? Man sollte meinen, dass Karnevalisten des Sommers mal Ruh’ hätten. Mitnichten. Völlig ernst gemeint lud der VSK, der Verband Saarländischer Karnevalsvereine, jetzt zum ersten „Faasend-Dinner“. Was übrigens selbst für den Chef-Faasenachder im Land, Hans-Werner Strauß, ein Überraschungsei war. „Was mich genau erwartet, weiß ich auch nicht“, spekulierte der VSK-Präsident noch kurz vor dem langen, aber kurzweiligen Abend im Ottweiler Schlosstheater.

Man habe, so Strauß, der Jugend im Verband, der mit rund 34 000 Mitgliedern zu den Tankern unter den Kulturorganisationen des Landes zählt, den Abend überlassen. Und die nutzte die Chance mit dem „Faasend-Dinner“ zu einer Art Standortbestimmung: Welche Antworten hat man etwa auf immer schärfere Sicherheitsauflagen wie den rigorosen Brandschutz? Und: Ist ein schwules Prinzenpaar tatsächlich schon Alltag unter Karnevalisten?

In bester Faasenachder-Tradition packten die Jung-Karnevalisten, angeführt von ihrem Chef Robin Schmelzer und dem VSK-Präsidialen Bernd Mühlen die Chose unterhaltsam an. In Sketchen skizzierten sie die aktuellen „Baustellen“ der Karnervalsvereine. Um dann darüber zu diskutieren. Auch mit Gästen aus Politik, von Medien und Bernhard Schlereth, dem Vizepräsidenten des BDK, des Bundes Deutscher Karneval. Und zur Stärkung wurde dazwischen stilvoll getafelt.

Klar sei, sagte Strauß, für eine gelingende Faasenachd müsse man das ganze Jahr ackern. Nicht nur die Garden proben, und die Büttenredner sammeln Munition für die Session. Vor allem gehe es dann auch um jene lästigen organisatorischen Fragen, ohne die man in den tollen Tagen nichts zu lachen hätte. Verantwortung im Vorstand aber wollen immer weniger schultern. Da drücken einige der 173 Vereine massive Nachwuchssorgen. Anders die Lage bei den Garden: Tanzen ziehe nach wie vor. Da hapere es allerdings beim Platz zum Trainieren, wurde in der Debatte deutlich. Um die Sporthallen der Kommunen kabbeln sich meist allzu viele Vereine. Und dann ist da ja noch die Frage: Wer hält den Kopf hin, falls bei einer Sitzung mal was passiert? Reichlich Fallstricke dräuen da. Im Rheinland, berichtete Moderator Stefan Regert, verging einem Vereinspräsidenten beim Thema Jugendschutz endgültig das Lachen. „50 000 Euro“ sollte der berappen, weil ein 12-jähriges Tanzmariechen zu später Stunde noch auf die Bühne kam.

Nein, nicht für alle Fragen fand man Antworten im Ottweiler Schlosstheater. Trotz eines langen Abends. Doch, so VSK-Chef Strauß, das erste „Faasend-Diner“ soll ja auch nicht das letzte gewesen sein.